Was ist Achtsamkeit? – ein Definitionsversuch und Alltagsübungen

Achtsamkeit ist ein beliebtes Schlagwort, das im Zuge der gesellschaftlichen Schnelllebigkeit nicht nur vermehrte Aufmerksamkeit erhält, sondern geradezu im Trend zu liegen scheint. Doch was ist diese Achtsamkeit, die zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen können soll?

Achtsamkeit bezeichnet die bewusste, wertungsfreie Wahrnehmung der Gegenwart. Sie gilt als das Bewusstsein für das Hier und Jetzt im körperlichen wie mentalen Bezug, ohne die Wertung der kritischen Betrachtung in diese Wahrnehmung einzubeziehen.

Der Ursprung der Achtsamkeit als wichtiges Schlagwort für den Wahrnehmungs- und Bewusstseinszustand findet sich in der buddhistischen Lehre. In der Meditation der fernöstlichen Lebensphilosophien gilt es, durch die bewusste Wahrnehmung über Körper und Geist zu einer inneren Ruhe zu finden, die erfüllt. Diese Ruhe der Achtsamkeit soll dem Menschen verlorene Kraft zurückgeben, die Widerstandskraft gegen äußere Einflüsse erhöhen und Leiden, das aus Ungleichgewichten entsteht, mildern.

Der positive Einfluss der Achtsamkeit hat inzwischen nicht nur über verschiedene Entspannungstechniken und esoterische Philosophien Einzug in unser Leben gefunden, sondern auch über die wissenschaftlichen Forschungen der modernen Psychotherapie.

Ein wenig Fachgeplänkel:

In der Forschungsliteratur ist die Definition von Kabat-Zinn verbreitet. Demnach ist die Achtsamkeit eine Form der Aufmerksamkeit, die absichtsvoll und wertungsfrei auf den gegenwärtigen Moment (statt auf Vergangenheit und Zukunft) ausgerichtet ist. Brown und Ryan erklären die Achtsamkeit ebenfalls über die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein auf die momentanen Vorgänge und Erfahrungen. Sie ergänzen dabei jedoch die Bewusstseinsklarheit, die empirische Haltung bezüglich der Realität sowie weitere Aspekte, die sie aus den Konzepten der Achtsamkeit aus verschiedenen buddhistischen Traditionen zusammenfassen.

Bishop und weitere Kollegen sehen zwei Säulen in der Definition der Achtsamkeit als wichtig an: die Selbstregulation der Aufmerksamkeit und die Orientierung des gegenwärtig Erlebten, die Neugier, Offenheit und Akzeptanz beinhaltet. Sie betonen dabei, dass der entstehende Zustand und die damit verbundenen Gefühle nicht durch Achtsamkeit verändert werden, sondern der Erkenntnis dienen sollen.

Moderne Coachingangebote und Selbstfindungsprogramme preisen die Achtsamkeit als Allzweckwaffe zur Erhöhung der Lebensqualität. Die Erkenntnis über die Gefühlswelt und die Erfahrungen aus der Achtsamkeit sollen die Basis für eine positive Wandlung bieten. Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht. Es gehört mehr als ein Kursbesuch dazu, Achtsamkeit aktiv zu üben. Dennoch lässt sich Achtsamkeit lernen und über die Veränderung von Alltagsroutinen und über den neuen Umgang mit äußeren Einflüssen ein kreativer Zugang finden, der durch die Erhöhung der Achtsamkeit eine wertvolle Steigerung des Lebensgefühls mit sich bringt.

 

Übungen im Alltagsverlauf

Vielfältige Tätigkeiten im Alltag werden nebenher oder automatisiert vorgenommen. Wer diese Tätigkeiten jedoch mit Aufmerksamkeit verfolgt, gewinnt bereits während der einfachsten Aufgaben mehr Achtsamkeit. Gerade die morgendlichen Aspekte, wie Duschen und Frühstücken, verleiten dazu, sich nebenher mit anderen Dingen zu beschäftigen. Statt unter der Dusche die Tages-To-do-Liste oder den Einkaufszettel gedanklich durchzugehen oder beim Morgenkaffee die E-Mails am Handy zu kontrollieren, können Sie das bewusste Wahrnehmen von Details üben.

Bei der Morgen- und Abendhygiene können Sie ganz bewusst tätig werden: Das Duschen wird zu einem Erlebnis des Wasserstrahls auf der Haut. Spüren Sie, wie die Seife beim Waschen die Haut umschmeichelt und das Wasser den Schaum sanft oder brausend abspült. Haben Sie einen Duschkopf mit wählbaren Strahleinstellungen, können Sie diese zusätzlich einsetzen.

In eben solcher Form bringen die täglichen Handgriffe die Möglichkeit der Achtsamkeit mit in den Alltag: beim Zähne putzen und dem Waschen der Haare, beim Eincremen und Frisieren, beim Anziehen und Essen. Selbst das Zubereiten der Mahlzeiten kann die Achtsamkeit fördern. Nicht umsonst bezeichnet mancher Hobbykoch den Vorgang des Schnippelns und Schneidens der Lebensmittel als eine wahrhaft meditative Tätigkeit.

Tägliche Achtsamkeitspausen

Planen Sie regelmäßige Achtsamkeitspausen in Ihrem Tagesablauf ein: Beginnen Sie mit drei Mal drei Minuten (zum Beispiel morgens, mittags und abends) und steigern Sie diese mit der Zeit auf fünf Minuten. Wahlweise können sie auch weitere 3-Minuten-Pausen am Vor- und Nachmittag ergänzen.

In dieser Zeit können Sie sich etwas Leckeres zu Essen oder Trinken gönnen, sich einfach auf Ihre Umgebung und die darin befindlichen Geräusche einlassen. Folgen Sie der Luft bei einem ruhigen Atmen bis in Ihre Lungen und wieder hinaus oder hören Sie auf Ihren Körper, seine Empfindungen und Emotionen im Moment der Pause.

Diese kurzen Pausen können sich zunächst etwas ungewohnt anfühlen, da diese ruhige Achtsamkeit so völlig anders als der oft hektische Alltag ist. Lassen Sie sich unvoreingenommen auf diese Gefühle und Wahrnehmungen ein. Sie werden über die vielen Details, die Sie mit der Zeit immer intensiver wahrnehmen, überrascht sein.

dies war ein kurzer Auszug aus dem Buch „Achtsamkeit stärken“

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Raul
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